BI-Presse

Neue Fakten und Rückschlüsse für eine Strahlenverursachung der kindlichen Leukämien im Raum Geesthacht

Beziehung 12.9. 86 und Leukämiefällen

Es gibt eine enge Beziehung zwischen dem Strahlenalarm im AKW Krümmel am 12. September 1986 und den Familien der Erkrankten. Von den uns bekannten 13 Familien mit erkrankten Kindern wohnten 10 mit Sicherheit am 12.9. 1986 in der unmittelbaren Nähe des Unfallortes bei den Geesthachter Atomanlagen, also dicht an der Strahlenquelle. In einem Fall einer in Lüneburg lebenden Familien ist bekannt, dass der Vater in einem Betrieb nördlich des AKW arbeitete, die Familie zog später nach Avendorf und von dort nach Grünhof, wo die Krankheit diagnostiziert wurde. Von einem Fall wissen wir den Wohnort nicht, im dritten Fall ist die räumliche Nähe nicht gegeben.
Die fünf übrigen Erkrankten sind uns namentlich nicht bekannt und entziehen sich damit einer Plausibilitätskontrolle.
Jetzt wurde der Fall eines 1994 an Leukämie erkranken Kindes aus Brunstorf (14 km von Krümmel entfernt). Die Eltern dieses 1988 geborenen Kindes wohnten von vor 1986 bis nach der Geburt des Kindes in Geesthacht-Krümmel und zogen dann erst fort.
Die räumliche Nähe trifft auf alle neun Erkrankungsfälle von 1989 bis Juli 1995 zu. Sie gilt ebenso für die bekannten letzten drei Fälle aus 2004 bis 2006.
Diese Feststellung ist angesichts der hohen Mobilitätsrate gerade bei Familien mit kleinen Kindern besondes augenfällig.
Was hat die Leukämien verursacht?
Thorium 230 ist ein Stoff mit bekannter Leukämieauslösung. Dieses Isotop wurde im Boden in weit überhöhter Konzentration gefunden. Es deutet auf die Verwendung von Hybridbrennstoff hin wie auch die von der GKSS selbst aufgefundene Tritiumphiole.
Was sich durch alle Untersuchungen zieht:
Die Fragestellung der Leukämiekommission S-H war stets: Hat es eine flächendeckende radioaktive Verstrahlung der Elbmarsch und Geesthachts gegeben? Dem dienten stets die bekannten Untersuchungen in Kontrollregionen.
Die BI und die ihr verbundenen Wissenschaftler bemühten sich, Spuren einer zurückliegenden Belastung in der Nähe der erkrankten Familien zu suchen.
Das ist auch gelungen, wie die Abbildungen der Bilddokumentation zeigen. Angefangen von Tritiumspuren in Baumscheiben unmittelbar gegenüber dem AKW Krümmel,
über die dizentrischen Chromosomen bei Elternteilen und Dachstaubuntersuchungen im Kernbereich der Erkrankungsfälle bis hin zu der Feststellung der besonderen Nähe der Erkrankten zum 12.9. 1986 zeigt sich, dass es nicht flächendeckend handfeste Beweise für eine zurückliegende radioaktive Belastung gibt, wohl aber punktuell. Das spricht für „Hot Spots“.
Bisherige Methoden am Problem vorbei
Das zeigt aber auch, dass die Methoden der zurückliegenden Untersuchungskomissionen durch breit angelegte Überprüfungen offenbar dem Problem nicht gerecht wsurden.
Es geht um das knifflige Auffinden von Spuren eines zurückliegenden Ereignisses.
Dies bestätigt sich auch beim Umgang mit Bodenproben.
Das alleinige Untersuchen irgendwelcher Bodenproben muss nicht zwangsläufig auffällige Ergebnisse bringen. Erst die Probennahme an exponierten Stellen mit unverändertem Boden seit 1986 und die Konzentration der gesuchten Spuren mittels verschiedener Arbeitsgänge führt überhaupt zu einer untersuchbaren und aussagefähigen Menge von Brennstoffmaterial.
Diesen Weg sind bislang nur die Wissenschaftler der BI und IPPNW gegangen. Die Bilddokumentation zeigt, zu welchen Schlüssen man kommen kann, wenn man sich die vorliegenden Fakten – auch die aus amtlichen Unterlagen – genau ansieht.
Uwe Harden, 19.12. 2006

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„Der Kriminalfall Leukämie“

Am 19.12.2006 fand in Winsen /Luhe eine Pressekonferenz statt, die von der Bürgerinitiative, der IPPNW und der Gesellschaft für Strahlenschutz veranstaltet wurde. Vor zahlreichen Pressevertretern erläuterten Prof. Dr. Wassermann, der Leiter der aufgelösten Leukämiekommission, Frau Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake, Dr. Pflugbeil, Dr. Dieckmann und Uwe Harden (Sprecher der BI) die derzeitige Situation. Die vorgelegte Dokumentation „Die Elbmarschleukämie – Stationen einer Aufklärung“ macht deutlich, wie sowohl Politik als auch atombefürwortende Wissenschaft nichts unversucht lassen, die dringend notwendige Aufklärung der vielen Leukämieerkrankungen von Kindern (nicht nur in der Elbmarsch) zu behindern oder gar zu verhindern.

Vor allem gefragt sind jetzt Zeugen für den als Ursache der Erkrankungen vermuteten Zwischenfall am 12. September 1986!!!

Die Dokumentation werden wir zum runterladen ins Netz stellen.

Trotz alledem: Wir wünschen nochmals schöne und besinnliche Feiertage und einen guten Jahresanfang.

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Redebeitrag der Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch im Rahmen der Kastoraktionen 2006 am 10.11.2006 in Lüneburg

Wir feiern dieses Jahr ein doppeltes Jubiläum: Es rollt der 10. Castortransport – und es ist 20 Jahre her, dass etwas passiert ist. Passiert in den Geesthachter Atomanlagen an der Elbe. Dort stehen der Atommeiler Krümmel und eine Atomforschungsanlage – und in naher Zukunft werden dort auch Castoren zwischengelagert. Ein atomares Zentrum also, auf das so manche Politiker in Stadt, Land und Bund stolz sind. Das ist schon schlimm genug. Aber es kam schlimmer:

Dort, in der Elbmarsch und auf der Geestseite gibt es das weltgrößte Leukämiecluster. Im Klartext: nirgendwo auf der Welt gibt es eine so hohe Zahl an Leukämieerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Seit 1990 bis heute erkrankten 16 Menschen an Blutkrebs, drei davon starben. Und jeden Tag werden neue Erkrankungen bekannt. So wie in Winsen an der Luhe, wo offenbar drei Kinder aktuell erkrankt sind.

Das ist die eine entsetzliche Tatsache. Die andere Tatsache ist, dass wir im Boden Kügelchen gefunden haben. Kügelchen, die strahlen! Kügelchen, die z.B. eingeatmet, das Blut von Menschen verstrahlen können. Kügelchen, die durch ihre Strahlung zu einer Veränderung des Erbguts führen können. Kügelchen, die auf Anweisung von oben kein einziges deutsches Labor untersuchen wollte. Kügelchen, die zu Falschaussagen von Staatsanwälten führten. Kügelchen, die bisher Politiker veranlaßten, zu verharmlosen und falsche Fährten zu möglichen Ursachen der Erkrankungen zu legen. Kügelchen, die von Wissenschaftlern entweder weggeredet oder als harmlos zerredet wurden.

Kügelchen, die krank machen und den Tod bringen können!

Aber woher kommen diese Teile?

Lange hatten wir das AKW im Verdacht. Bis wir uns die staatliche Forschungsanlage GKSS näher betrachteten: GKSS – das heißt : Gesellschaft zur Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt. Diese GKSS wurde 1956 gegründet – mit staatlicher Unterstützung gegründet von zwei Kernphysikern, die im Faschismus daran saßen, eine deutsche Atombombe zu entwickeln. Und siehe da: die von uns heute im Boden gefundenen Kügelchen können benutzt werden, um nukleare Miniexplosionen auszulösen. An solchen sog. Mini-Nukes haben übrigens die US-Amerikaner schon lange Interesse.

Aber Deutschland war doch an den Atomwaffensperrvertrag gebunden und durfte doch solche Forschungen nicht betreiben!

Richtig!

Das Bekanntwerden deutscher Atomwaffenforschung wäre 1986 kurz nach der Tschernobyl-Katastrophe auch schlecht gekommen.

Weshalb 1986? Es besteht der dringende Verdacht, dass es am 12. September 1986 auf dem Gelände dieser GKSS einen Unfall gegeben hat, bei dem diese Kügelchen freigesetzt wurden. Übrigens ein ähnlicher Unfall, wie es ihn 1987 im Nukem-Werk in Hanau gegeben hat.

Für diesen Unfall gibt es Augenzeugen, aber keine Tatzeugen. Die, die es wissen müßten halten den Mund: Mitarbeiter der GKSS, Mitglieder der lokalen Feuerwehr, die damals ausgerückt war, Wissenschaftler, die sich fachlich auskennen, Politiker, die diese Atomwaffenforschungen unterstützt oder zugelassen haben.

Alle schweigen – und Jahr für Jahr erkranken Menschen an Leukämie – und wahrscheinlich sehr viel mehr an anderen Krebsarten.

Es handelt sich bisher, ohne Aufklärung durch die Behörden, offensichtlich um einen politischen GAU: Um den Größten Anzunehmenden Fall von politischer Kriminalität!

So wie der Castor weg muß, muß auch das Plutonium in der Elbmarsch und anderswo weg – beides ist ein lebensbedrohlicher politischer Skandal!

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Aktionstag der Bürgerinitiative Bürger gegen Leukämie in der Elbmarsch e.V.

Dienstag, 12. September 2006, ab 16 Uhr Marschacht, am Deich an der Fährstraße

Am 20. Jahrestag des vermeintlichen atomaren Vorfalls in der Elbmarsch erinnert die BI an den Ausgangspunkt der Serie von Leukämiefällen in und um Geesthacht, die vier Todesopfer forderte. 14 Kinder überstanden die lebensbedrohliche Krankheit. Es ist das höchste Vorkommen von Leukämie bei Kindern – weltweit !

Am 12.9.1986 gab es Strahlenalarm im AKW Krümmel. Seit Jahren finden Wissenschaftler Reste von Kernbrennstoff in Bodenproben in der Nähe der Geesthachter Atomanlagen des AKW und des Forschungsreaktors. Die schleswig-holsteinische Leukämiekommission unter Prof. Otmar Wassermann bezeichnete den sog. Radon-Zwischenfall im Geesthachter Atomkraftwerk Krümmel als ursächlich für die Krankheitsserie. Die Landesregierungen in Kiel und Hannover allerdings behaupten bis heute, die Ursache dieser Leukämiefälle nicht zu kennen.

Prominente Unterstützung findet die BI am Aktionstag durch die Sängerin Nina Hagen und die Schauspielerin Eva-Maria Hagen, die dem Wunsch der BürgerInnen nach Aufklärung Nachdruck verleihen.

Bürgerinitiative gegen Leukämie in der Elbmarsch e.V. bittet um Unterstützung und lädt ein:
Dienstag, 12. September 2006, ab 16 Uhr Marschacht, am Deich an der Fährstraße

– „Und keiner weiß warum…“ Vorführung der ZDF-Dokumentation von Angelica Fell und Barbara Dickmann – Schweigeminute für die Leukämie-Opfer in der Elbmarsch
Podiumsgespräch mit Prof. Dr. Otmar Wassermann (Toxikologe u. ehem. Vorsitzender der Leukämiekommission S-H), Dr. Sebastian Pflugbeil (Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz in Berlin), Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake (Physikerin), Monika Griefahn (MdB) ua.
– Schauspielerin Eva-Maria Hagen, Sängerin Nina Hagen, Schauspielerin Cosma Shiva Hagen und andere Künstler/innen unterstützen die Aktion
Informationspool mit Greenpeace Gruppe Buchholz, BUND Geesthacht, der Bürgerinitiative Elbmarsch ua

Strahlung macht vor unterschiedlichen Meinungen nicht Halt: die Leukämie ist ein Thema, das ALLE Menschen entlang der Elbe angeht. Daher soll das Fest Kinder erfreuen und Eltern informieren und zum Mitmachen anregen. Erklärtes Ziel ist es, eine möglichst große Öffentlichkeit zu erreichen, damit der Forderung: „Saniert die Elbmarsch“ Gehör verschafft wird.

Die Medien sind aufgerufen mit ihren Mitteln beizutragen, den Aktionstag und das Anliegen der BI bekannt- zumachen und zu unterstützen.

Wenn Sie weitere Informationen wünschen, wenden Sie sich bitte an die BI „Bürger gegen Leukämie in der Elbmarsch e.V.“, Uwe Harden, Tel. 04176-1347, Mobil 0171 – 517 1347 uwe.harden@drage-elbe.de http://www.elbmarsch.org

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