Krümmel: Rauch im …

 

Mangelnder Durchblick bei Kraftwerksleitung und Betreiber?

 

Geesthacht – Ein(?) Kraftwerksfahrer mit Atemschutzmaske, Kühlwasserpumpen und Ventile per Hand falsch betrieben, die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt – das Atomkraftwerk Krümmel und seine Betreiber vom Energiekonzern Vattenfall haben offenbar nicht mehr durchgeblickt, als der Stromtrafo am Donnerstag der vorvergangenen Woche um 15.02 Uhr mit einer Detonation den Dienst quittierte und in dickem schwarzen Rauch aufging.

Klar ist nur: Die Mitteilung, es habe keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden, war zumindest vorschnell. Unklar ist bis auf die deutlich sichtbaren Rauchwolken und den zerstörten Transformator fast alles: Über die Ursachen des Trafobrandes gibt es bislang keine Hinweise. So kann die Netzschwankung durch den Ausfall des Atomkraftwerks Brunsbüttel zwei Stunden zuvor den Generator im Maschinenhaus in Krümmel irritiert haben, so dass der Trafo eine zu hohe Spannung erhielt. Denkbar und möglich ist aber auch, dass die Kraftwerksleitung versucht hat, die Leistung des AKW zu erhöhen, um den Ausfall von Brunsbüttel teilweise zu kompensieren mit dem bekannten Ergebnis. Möglich ist aber auch ein Ausfall des Trafo ohne Anlass. Aber warum gingen dann mehrere Trafos in Schleswig-Holstein „von der Fahne“ wie in Reinbek?

Unklar ist auch, was in der langen Zeit von der Detonation bis zur Feuerwehralarmierung passierte und in der Zeit bis zum Eintreffen der Geesthachter Wehr, die dann per Drehleiter den Brand erst bekämpfen konnte?

Welche hektischen Lautsprecherdurchsagen gab es dazwischen?

Wie konnte der Rauch in den Reaktorleitstand gelangen? Kroch wirklich, wie es das „Hamburger Abendblatt“ vermutet, Rauchgas in den Leitstand? Woher kam es dann, und wo hat es im Gebäude geraucht? Konnte der Reaktorfahrer nur nichts riechen oder auch nichts sehen? Der Rauch war tiefschwarz. Oder wurde der Rauch mit der Frischluftansaugung direkt ins Gebäude gepustet? Das wäre ein echter Geburtsfehler des Reaktors mit notwendigen Konsequenzen.

Seit dem sogenanten „Radon-Zwischenfall“ vom 12. September 1986 ist bekannt, dass sich die Frischluftzufuhr des Reaktorgebäudes an der Ostseite in 44 Metern Höhe befindet. Just die Seite lag direkt in der Rauchfahne, die der stramme Westwind über die Luftansaugung blies.

Was geschah im Kraftwerk selbst? Welche Funktionen fielen aus, was wurde bedient, was war beabsichtigt, welche Personen waren beteiligt? Seit der Tschernobyl-Havarie weiß man, dass Atomkraftwerke am gefährlichsten dann sind, wenn sie sich im Handbetrieb befinden. Der ist angeblich in Deutschland nicht möglich, passierte aber wohl doch.

Noch brisanter ist folgende Überlegung: Von der Notabschaltung bis zu den ersten Pressemitteilungen hatte die Firmenleitung Zeit zu überlegen, was sie der Öffentlichkeit sagt. Die für den Katastrophenschutz zuständigen Behörden des Landes und der Kreise sowie der Samtgemeinde Elbmarsch wussten nichts, weil sie nicht benachrichtigt wurden. Sie hängen alleine von der Kraftwerksleitung ab.

Wie lange kann eine Kraftwerksleitung ernsthafte Schäden für die Umwelt verheimlichen: Etwa bis die Reaktorfernüberwachung Alarm schlägt?

Grund zur Beruhigung ist weniger gegeben denn je.

Uwe Harden

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